Praktikanten und der Mindestlohn

Durch das Mindestlohngesetz wird erstmalig beginnend ab 1. Januar 2015 in Deutschland ein flächendeckender Mindestlohn von € 8,50 brutto je Zeitstunde festgesetzt. Die Verpflichtung zur Zahlung des Mindestlohns gilt gegenüber allen Arbeitnehmern; arbeitnehmerähnliche Personen haben keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Gehören auch Praktikanten zum personellen Anwendungsbereich des Mindestlohngesetzes?

 

1.         Grundsätzlich fallen Praktikanten in den Anwendungsbereich des Mindestlohngesetzes. Praktikanten sind unabhängig von der Bezeichnung des Rechtsverhältnisses diejenigen Personen, die sich nach der tatsächlichen Ausgestaltung und Durchführung des Vertragsverhältnisses für eine begrenzte Dauer zum Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen einer bestimmten betrieblichen Tätigkeit zur Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit unterziehen, ohne dass es sich dabei um eine Berufsausbildung oder um eine damit vergleichbare praktische Ausbildung handelt.

 

2.         Ausgenommen sind u.a. vier Gruppen von Praktika, solche

 

·         die durch schulrechtliche Bestimmungen

·         Ausbildungsordnung

·         hochschulrechtliche Bestimmungen

·         im Rahmen einer Ausbildung an einer gesetzlich geregelten Berufsakademie (Pflichtpraktika)

 

abzuleisten sind. Darüber hinaus gelten zeitliche Grenzen für Praktika.

 

3.         Wird ein Praktikant eingestellt und verlangt er einen Nachweis des Praktikumsvertrages, so ist ihm auf sein Verlangen eine entsprechende Niederschrift auszuhändigen.

 

In die Niederschrift sind empfehlenswerter Weise aufzunehmen:

 

1. Der Name und die Anschrift der Vertragsparteien

2. Die mit dem Praktikum verfolgten Lern- und Ausbildungsziele

3. Beginn und Dauer des Praktikums

4. Dauer der regelmäßigen täglichen Praktikumszeit

5. Zahlung und Höhe der Vergütung

6. Dauer des Urlaubs

7. Ein in allgemeiner Form gehaltener Hinweis auf die Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, die auf das Praktikumsverhältnis Anwendung finden.

 

Die wesentlichen Vertragsbedingungen müssen schriftlich ausgehändigt werden; der Nachweis in elektronischer Form ist ausgeschlossen! Im Interesse beider Vertragsparteien ist deswegen anzuraten, die wesentlichen Vertragsbedingungen vorab zu regeln. Im Einzelfall gilt: Nehmen Sie rechtliche Beratung in Anspruch, um ihre Vertragsziele umzusetzen.