Arbeitszeugnis

Die Rechte und Pflichten bei der Zeugniserteilung richten sich für alle Arbeitnehmer alleine nach § 109 Gewerbeordnung. Die FAQ des Monats November sind:

1.

Stichwortartige Aufzählung erlaubt?

Die lediglich stichwortartige Aufzählung der dem Arbeitnehmer übertragenen Aufgaben in einem qualifizierten Arbeitszeugnis ist für sich genommen noch kein Anzeichen dafür, dass der Arbeitgeber sich im Zeugnis konkludent abwertend über seinen Arbeitnehmer äußern will. Insbesondere im Handwerk und den kleineren Betrieben trifft man häufig in dieser Art gestaltete Zeugnisse an.

2.

Verpflichten Schreibfehler zur Zeugnisberichtigung?

Schreibfehler im Zeugnistext sind grundsätzlich vom Arbeitgeber zu berichtigen, denn nur ein Zeugnis, das nach den Regeln der deutschen Sprache zu Papier gebracht ist, kann den gesetzlichen Zeugnisanspruch erfüllen. Denn Schreibfehler geben Anlass zu der negativen Vermutung, der Aussteller des Zeugnisses könnte sich – durch bewusst mangelnde Sorgfalt – vom Inhalt des Zeugnisses distanzieren (vgl. Hessisches LAG 21.10.2014 – 12 Ta 375/14). Allerdings entfällt der Anspruch auf Berichtigung bei Vorliegen eines unbedeutenden Schreibfehlers. Das Berichtigungsveranlagen muss unmittelbar im Anschluss an die Zeugnisausstellung und nach Einsichtnahme in seinen Inhalt geltend gemacht werden, andernfalls kann der Anspruch verwirken.

Fazit: Enthält der Zeugnistext nicht hinnehmbare Rechtschreibfehler, kann deren Beseitigung verlangt werden, nicht ohne weiteres verlangt werden kann eine vom gegebenen Text abweichende andere Formulierung.

3.

Anspruch auf eine Schlussformel?

Grundsätzlich hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf die sogenannte "Gute-Wünsche-Formel", mit der ein Arbeitgeber sein Bedauern über das Ende des Arbeitsverhältnisses ausdrückt und dem Arbeitnehmer alles Gute für die Zukunft wünscht. Die Verweigerung der Schlussformel in einem Zeugnis kann aber das Persönlichkeitsrecht des Arbeitnehmers berühren. Der Arbeitgeber zeigt damit insbesondere auch gegenüber den zukünftigen Lesern des Zeugnisses, dass er dem Arbeitnehmer gegenüber - jedenfalls zum Schluss der Zusammenarbeit hin-  nicht mehr den Respekt und die Wertschätzung entgegengebracht hat, die für das gute Gelingen eines Arbeitsverhältnisses erforderlich ist. Angesichts der unbestreitbaren Üblichkeit solcher Schlussformeln geht die Verweigerung der Schlussformel mit einer sozusagen öffentlich dokumentierten Kränkung des Arbeitnehmers einher. Bei konkreten Anhaltspunkten, die darauf hindeuten, dass der Arbeitgeber den ausgeschiedenen Arbeitnehmer durch die Verweigerung der Schlussformel in diesem Sinne schädigen will, kann daher ein Ausspruch auf die verkehrsübliche Schlussformel im qualifizierten Arbeitszeugnis aus § 241 Abs. 2 BGB folgen; so jedenfalls das LAG Mecklenburg-Vorpommern mit Urteil vom 02.04.2019 (Az.:2 Sa 187/18).